Die Macht der Illusion zwischen Film und Welt

Die aktuelle Warnung vor manipulativen Bildern aller Art leiert. Die Vorsicht vor dem verführerischen Schein allgegenwärtiger Visualität in einer zunehmend medial vermittelten Welt hat einen antiken Bart. Schon den griechischen Philosophen Platon plagte die Angst vor dem Trugbild, dessen Verkleidungen so irreführend seien, dass Wahrheit und Schein ununterscheidbar würden. Um sich von seiner Paranoia vor dem Falschen zu kurieren, führte Platon eine Hierarchie in unser Denken ein. Der Wahrheitsgehalt jedes Bildes wird seither an dem gemessen, was hinter oder über ihm steht: der Idee. An diesem antiquierten Modell orientieren sich auch gegenwärtige Diskurse rund um die Kategorien der Illusion und des Fakes. Die Abwertung des Scheins gegenüber der Wahrheit hält sich zäh. Die Trugbildkonferenz greift angesichts solch hartnäckiger Denkverkrustungen auf den Philosophen Gilles Deleuze und seinen nietzscheanischen Schlachtruf zurück: Lasst uns den Platonismus umkehren! Hinter der Maske des Bildes steckt nicht die Wahrheit, sondern nur eine weitere Maske, die sich als Maskenserie bis ins Unendliche fortpflanzt. Wir sagen, »tschüss Wahrheit«, »adieu Grund«, »ciao Idee« und fragen, was es bedeutet, sich von der Illusion der Illusion zu befreien. Wir diskutieren, wie Deleuzes anarchistische Verabschiedung der klassischen Wahrheitsmodelle eigentlich zu verstehen ist. Welche chaotische Welt eröffnet sich unseren Sinnen und unserem Denken, wenn wir der Macht des Trugbilds folgen? Wie vermeiden wir den Sturz in reine Beliebigkeit? Der Film vermag in diesem Zusammenhang wie kein anderes Medium, die positive Macht des Falschen vor Augen zu führen. Falsche Anschlüsse, alogische Schnitte, diskontinuierliche Montagetechniken und nicht-lineare Zeitmodelle konfrontieren unseren Denkapparat mit seiner kausallogischen Zwanghaftigkeit. Das Kino ruft dem Hirn zu: DAS PHANTASMAGORISCHE IST DIE WAHRE PERSPEKTIVISCHE UND WIRKLICHKEITSMÄCHTIGE MACHT!
Wie positionieren sich Filmemacher*innen in diesem Spannungsfeld? Entlang einer Serie philosophischer und filmischer Positionen wird auf der Trugbildkonferenz das Verhältnis zwischen Authentizität und Illusion, Fakten und Fiktion verhandelt. Gerade angesichts der Forderung nach mehr Faktischem und Wahrem in Zeiten von Fake News insistiert die Konferenz auf einer wahrnehmungstheoretischen Kritik an der Selbstidentität des Wahren. Die TRUGBILDKONFERENZ wird initiiert und konzipiert von Studierenden der Merz Akademie im Rahmen des Masterstudiengangs »Forschung in Gestaltung, Kunst und Medien« und betreut von Katja Diefenbach (Ästhetische Theorie).

Mit Unterstützung von merz alumni e.V.

vor 7 Monaten