ANDRÉ SIEGERS | SOUVENIR

Der Film SOUVENIR basiert auf dem privaten Videoarchiv des sozialdemokratischen Stiftungsmitarbeiters und Weltreisenden Alfred Diebold, der sich und sein Leben 20 Jahre lang mit der Kamera dokumentiert hat. Der Film sucht die Wahrheit dieses Privatarchivs in den Selbstinszenierungen seines Protagonisten, in der Gewissenhaftigkeit und der Arbeit, die er auf sich nimmt, um vor der Kamera ein bestimmtes Bild von sich, seinem Leben und der Welt zu produzieren. In seinen Filmen ist Alfred selbst das Zentrum, er ist Akteur und Regisseur seiner eigenen Aufnahmen. Immer wieder erfindet er sich neu, als Abenteurer, als politischer Journalist, der immer dort ist, wo sich die Welt gerade rasant ändert. Nicht wer dieser Mann tatsächlich ist, sondern vielmehr wie er gerne gesehen werden würde, ist die Frage, die den Blick auf dieses Archiv prägt. So werden in seinen filmischen Inszenierungen seine dahinterliegenden Sehnsüchte und Weltsichten erkennbar.

Dass die Auseinandersetzung mit diesen Aufnahmen selbst keine letztgültige Wahrheit für sich beanspruchen kann, stellt der Film dadurch zur Diskussion, dass er das Material in eine fiktive Rahmenhandlung einbettet und das Archivmaterial inszeniert und dramatisiert, so dass die Grenze zwischen Dokument und Fiktion letztendlich verschwimmt. Was bleibt, ist die Arbeit an den Bildern, Inszenierungen von Wirklichkeit, die im Archiv zu Dokumenten gefrieren und neue Geschichten generieren, sobald sie wieder entdeckt und aufgetaut werden. Eine dieser möglichen Geschichten erzählt dieser Film.

ANDRÉ SIEGERS ist Filmemacher. Seine Arbeiten wurden auf diversen Festivals, in Museen und im Fernsehen gezeigt. Sein Film SOUVENIR feierte seine Premiere im Forum der Berlinale 2014. Er gibt regelmäßig Lehrveranstaltungen an der HfBK Hamburg. Gemeinsam mit Bernd Schoch und Alejandro Bachmann konzipierte er die experimentelle Bewegtbildreihe Abgeguckt im Roten Salon der Volksbühne, Berlin. Er ist Mitglied des Filmkollektivs UVO-Gruppe.

vor 9 Monaten