MIRJAM SCHAUB | Deleuze, Platon, Lukrez… die Trugbilder, also

In jeder repräsentationalen Philosophie konkurrieren Abbilder und Trugbilder um die Gunst idealer Urbilder, so Deleuzes Diagnose. Kriterien müssen gefunden werden, um wahre Abbilder von falschen Trugbildern zu unterscheiden. Doch wie sind Teilhabe (Methexis), Nachahmung (Mimesis) und täuschende Anpassung (Mimikry) zuverlässig auseinanderzuhalten? Deleuze kehrt Platons Idealismus um, indem er aus der Ubiquität der Simulakren eine differentielle Ontologie zu entwickeln versucht. Dabei argumentiert er mit Lukrez’ ursprünglicher Abweichung (›clinamen‹) und Leibnizens standpunktbeschränkten Monaden. Das Trügerische erscheint dann als – letztlich sprachlicher – Effekt einer nicht adäquat aufgefassten Simultaneität. Das epistemische Problem damit aber bleibt: Wenn sich die x-Beliebigkeit von bloßen Meinungen zur Tyrannei auswächst, wird der Relativismus selbst dogmatisch und also unerträglich. Der Vortrag versucht deshalb die ethische Haltung in Deleuzes Differenzphilosophie kenntlich zu machen, um Hinweise auf den Umgang mit ›Fake News‹ zu geben. Lügen verbreiten sich ja deshalb so rasant, weil sie den Vorzug haben, den Wünschen und Erwartungen der ihnen Hörigen auf wunderbare Weise zu entsprechen.

MIRJAM SCHAUB ist Philosophin und Journalistin. Seit 2017 ist sie Professorin für Philosophie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Sie besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte Philosophie, Psychologie und Politikwissenschaften in Münster, München, Berlin und Paris. Sie promovierte 2001 über das Werk von Gilles Deleuze und habilitierte sich 2009 mit einer Arbeit über den Gebrauch von Beispielen in Philosophie und Ästhetik an der FU Berlin. Gegenwärtig schreibt sie an einer kulturphilosophischen Abhandlung über die Ästhetik und Interessen der 1968er sowie an dem englischsprachigen Buch Radicalness. An Untold History of Pop Culture.

vor 4 Monaten